Reorganisation, Sanierung, Turnaround - Schumpeter lässt grüßen!

 

Schon vor gut 100 Jahren stellte Josef Schumpeter in seinem Buch "Die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung" sein Konzept von der schöpferischen Zerstörung vor. Danach ist Kapitalismus Unordnung, die fortwährend durch innovative Unternehmer mit neuen Ideen in den Markt getragen wird. Aus dieser Unordnung entstehen Fortschritt und Wachstum. Um den Erfordernissen des Marktes gerecht zu werden, also wettbewerbsfähig zu bleiben, ist der verantwortungsbewusste und weitsichtige Unternehmer fortwährend gezwungen seinen Betrieb entsprechend den Marktanforderungen anzupassen sprich zu restrukturieren. Tut er das nicht, kommt er ins Hintertreffen, was dann zu einer Unternehmenssanierung und im schlimmsten Fall zu einer Insolvenz führen kann.

 

Zur Wirtschaftsentwicklung gehören Krisen. Diese sind Bestandteil des Entstehen und Untergehen von Organisationen. Das bedeutet für Unternehmen, dass Krisen ein natürlicher Bestandteil der Unternehmensentwicklung sind. Findet  eine Unterbrechung respektive eine Verlangsamung des kontinuierlich notwendigen Anpassungsprozesses im Schumpeterischen Sinne statt, kann das in Folge der Multiplikatorwirkung zu einer Unternehmensexistenzkrise  mit Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens führen. Durch Uneinsichtigkeit und falscher Vorgehensweise der Unternehmensführung (oft durch „Aussitzen“ der Schwierigkeiten) kann  sich  das auf ganze Konzerne ausdehnen und schlimmstenfalls zu Totalverlusten der Stakeholder führen.

 

Nur in den seltensten Fällen entstehen Krisen und Unternehmensschieflagen über Nacht, sprich durch unvorhersehbare Ereignisse. Laut einer Bankenstudie* betragen die hausgemachten Krisenursachen über 80 Prozent der Fälle.

 

Bei inhabergeführten Mittelstandsunternehmen folgt  die Unternehmensentwicklung in der Regel der menschlichen und persönlichen Entwicklung des Managements und ist ein Spiegel dessen Fähigkeiten im positiven wie auch im negativen Sinne. Beispielsweise sind es hochbegabte, innovative Ingenieure oder Manager, die in der Startphase eines Unternehmens ihre Produkte im Markt sehr erfolgreich platzierten und folglich die Unternehmensgewinne explodierten. Allerdings verliert oft diese Innovationskraft schnell mit dem Älterwerden des Managements an Geschwindigkeit und aufgrund beratungsresistenten Verhaltens  und Starrsinns (Wir haben das schon immer so gemacht!) wird die Existenz des Unternehmens gefährdet mit allen begleitenden negativen Auswirkungen. Jetzt ist es höchste Zeit die Firma zu restrukturieren, wenn nicht zu sanieren, um noch den Turnaround zu schaffen.

---

* vgl., Die Bank - Zeitschrift für Bankpolitik und Bankpraxis, 39. Jahrgang, Heft 7, Seite 452 bis 456.